Howe-Träger

Der Träger ist nach dem Amerikaner William Howe (1803-1852) benannt.

Der Howe'sche Träger hat zwei gerade parallele Gurtungen, die meist aus je drei Balken gebildet sind. Die Ausfachung besteht aus unter 45° oder etwas steiler geneigten Holzstreben, die zur Trägermitte hin ansteigen. Im mittleren Trägerbereich wurden zwischen den doppelt ausgeführten steigende Streben fallende Gegenstreben eingefügt. Die Streben stemmen sich gegen in die Gurtbalken eingelassene eichene Stammklötze oder gegen eiserne Schuhe; sie werden durch die aus Rundeisen bestehenden vertikalen Spannstangen angepreßt.

Mit seiner Kombination aus diagonalen Druckgliedern aus Holz und senkrechten Zuggliedern aus Metall leitete er 1840 den Übergang von Holzfachwerken zu Eisenfachwerken ein.

Bis 1870 fand der Träger zahlreiche Anwendung im Eisenbahnbau, da er aufgrund der großen Holzvorräte und der einfachen Bauweise schnell und billig errichtet werden konnte.

Die Fachwerkfelder haben zur Mitte hin steigende Diagonalen, die sich in den mittleren Feldern kreuzen können.


Durch das Anziehen der Schrauben an den schmiedeeisernen Zugstangen konnte das Tragwerk vorgespannt werden. Setzungen konnten durch Nachjustierungen aufgefangen werden.

Zur Verbindung der stählernen Zugstangen mit den Gurten und Streben verwendete man zunächst Blöcke aus Eichenholz, die später durch gusseiserne Schuhe ersetzt wurden.


Beispiele

1840 baute Howe eine 402 m lange Eisenbahnbrücke über den Connecticut River bei Springfield mit sieben Öffnungen von je 54,9 m Stützweite. Die Träger waren 5,5 m hoch und hatten einen Abstand von 4,9 m.

In gleicher Bauart errichtete Ghega, der diese Brückenart bei einer vorhergehenden Amerika-Reise eingehend studiert hatte, 1845 für die österreichische Staatsbahn eine Brücke über die Sulm mit zwei Öffnungen von je 47 m Weite und eine Brücke über die Drau mit drei Öffnungen von je 57 m Spannweite.

Die 1851 fertiggestellte 588 m lange Brücke über die Msta der Eisenbahn St. Petersburg - Moskau hatte neun Öffnungen von fast 60 m Weite.


In Kemten wurde 1851 eine Eisenbahnbrücke über die Iller mit Spannweiten von 35 - 53 - 26 m errichtet.

Die schon seit langer Zeit nur noch Fußgängern und Radfahrern dienende Brücke ist die letzte verbliebene Brücke dieser Bauart in Deutschland.
Alte Illerbrücke Kempten

Die 1851 fertiggestellte Elbebrücke bei Wittenberge hatte drei Howe-Träger mit je 40 m Stützweite und 11 Howe-Träger mit je 54 m Stützweite. Die Konstruktion über die 14 Felder war nahezu 750 m lang.